Kaccanagotta Sutta: Unterschied zwischen den Versionen
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Kaccāna ist eine bedeutende Figur im Pali-Kanon, und ihm werden zwei kanonische Kommentare zugeschrieben. | Kaccāna ist eine bedeutende Figur im Pali-Kanon, und ihm werden zwei kanonische Kommentare zugeschrieben. | ||
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Die Frage nach Existenz und Nicht-Existenz wird im Kontext der rechten Ansicht (sammādiṭṭhi) erörtert, wobei Mahākaccāna den Buddha zunächst bittet, ihm die rechte Ansicht zu definieren. | Die Frage nach Existenz und Nicht-Existenz wird im Kontext der rechten Ansicht (sammādiṭṭhi) erörtert, wobei Mahākaccāna den Buddha zunächst bittet, ihm die rechte Ansicht zu definieren<ref>Suddhāso Bhikkhu: [https://suttacentral.net/sn12.15/en/suddhaso?lang=en&reference=none&highlight=false to Kaccānagotta]</ref>. | ||
Das Hauptthema des Textes ist die Vermeidung der Extreme „Existenz“ (Pāli: atthi) und „Nicht-Existenz“ (Pāli: natthi) in Bezug auf die Welt (Pāli: loka). Stattdessen wird die Betrachtung der Welt im Sinne des Mittleren Weges empfohlen, der durch die zwölf Nidānas veranschaulicht wird. | Das Hauptthema des Textes ist die Vermeidung der Extreme „Existenz“ (Pāli: atthi) und „Nicht-Existenz“ (Pāli: natthi) in Bezug auf die Welt (Pāli: loka). Stattdessen wird die Betrachtung der Welt im Sinne des Mittleren Weges empfohlen, der durch die zwölf Nidānas veranschaulicht wird. | ||
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In der chinesischen Version werden die Begriffe „Existenz“ und „Nicht-Existenz“ mit 有 (yǒu) und 無 (wú) wiedergegeben. Der Sanskrit-Text verwendet diesbezüglich die Begriffe asti und nāsti. | In der chinesischen Version werden die Begriffe „Existenz“ und „Nicht-Existenz“ mit 有 (yǒu) und 無 (wú) wiedergegeben. Der Sanskrit-Text verwendet diesbezüglich die Begriffe asti und nāsti. | ||
<br>Nāgārjunas Sanskrit-Zitat verwendet stattdessen die Wörter bhava und abhava. Diese Begriffe bedeuten im Kontext mehr oder weniger dasselbe, da die Wurzeln sowohl von atthi (Sanskrit: asti) als auch von bhava von Verben stammen, die „sein“ bedeuten (d. h. √as und √bhū). | <br>Nāgārjunas Sanskrit-Zitat verwendet stattdessen die Wörter bhava und abhava. Diese Begriffe bedeuten im Kontext mehr oder weniger dasselbe, da die Wurzeln sowohl von atthi (Sanskrit: asti) als auch von bhava von Verben stammen, die „sein“ bedeuten (d. h. √as und √bhū). | ||
== Übersetzung == | == Übersetzung == | ||
In Savatthi weilend… Da näherte sich der Ehrwürdige Kaccayana Gotta dem Erhabenen und verneigte sich nach seiner Ankunft zur Seite. Während er dort saß, sprach er zum Erhabenen: „Herr, es heißt: ‚Rechte Ansicht, rechte Ansicht. In welchem Maße gibt es rechte Ansicht?“ | In Savatthi weilend… Da näherte sich der Ehrwürdige Kaccayana Gotta dem Erhabenen und verneigte sich nach seiner Ankunft zur Seite. Während er dort saß, sprach er zum Erhabenen: „Herr, es heißt: ‚Rechte Ansicht, rechte Ansicht. In welchem Maße gibt es rechte Ansicht?“ | ||
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*Chinesisch: Saṃyuktāgama 301 (T. 2.99 85a-86c),[3] ; teilweise zitiert im Saṃyuktāgama 262 (T. 2.99 66c01-c18 = SN 22.90) mit einer deutlich abweichenden Wiedergabe. | *Chinesisch: Saṃyuktāgama 301 (T. 2.99 85a-86c),[3] ; teilweise zitiert im Saṃyuktāgama 262 (T. 2.99 66c01-c18 = SN 22.90) mit einer deutlich abweichenden Wiedergabe. | ||
Sanskrit: Saṃyuktāgama 301 (T. 2.99 66c01-c18 = SN 22.90) mit einer deutlich abweichenden Wiedergabe, was auf einen anderen Übersetzer schließen lässt. | Sanskrit: Saṃyuktāgama 301 (T. 2.99 66c01-c18 = SN 22.90) mit einer deutlich abweichenden Wiedergabe, was auf einen anderen Übersetzer schließen lässt. | ||
* Jayarava. Kaccānagotta Sutta (SN 12.15, PTS S ii.16.) zusammen mit Buddhaghosas Kommentar (PTS SA ii.32). | * Jayarava. Kaccānagotta Sutta (SN 12.15, PTS S ii.16.) zusammen mit Buddhaghosas Kommentar (PTS SA ii.32). | ||
* Aus dem Chinesischen : Choong Mun-keat & Piya Tan (2004) „Saṃyukta Āgama 301 = Taishō 2.99.85c-86a“. Dharmafarer | * Aus dem Chinesischen : Choong Mun-keat & Piya Tan (2004) „Saṃyukta Āgama 301 = Taishō 2.99.85c-86a“. Dharmafarer | ||
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* Vaidya, P. L. Saddharma-laṅkāvatāra Sūtram. Das Mithila Institute of Post-Graduate Studies and Research in Sanskrit Learning. Darbhanga. 1963. | * Vaidya, P. L. Saddharma-laṅkāvatāra Sūtram. Das Mithila Institute of Post-Graduate Studies and Research in Sanskrit Learning. Darbhanga. 1963. | ||
== Referenzen == | |||
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== Weblinks == | == Weblinks == | ||
* [https://www.accesstoinsight.org/tipitaka/sn/sn12/sn12.015.wlsh.html Kaccaayanagotto Sutta: Kaccaayana] | * [https://www.accesstoinsight.org/tipitaka/sn/sn12/sn12.015.wlsh.html Kaccaayanagotto Sutta: Kaccaayana] | ||
* [https://suttacentral.net/sn12.15/?view=normal&lang=en Kaccaayanagotto Sutta] | * [https://suttacentral.net/sn12.15/?view=normal&lang=en Kaccaayanagotto Sutta] | ||
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Aktuelle Version vom 26. Januar 2026, 21:42 Uhr
Das Kaccanagotta-Sutta ist im Pali-Kanon unter Saṃyutta Nikāya Nidana-samyutta 12.15 zu finden. Ein paralleler Text in Sanskrit und Chinesisch (Saṃyuktāgama 301; auch ein Teilzitat in SĀ 262) sind erhalten. Beide sind weitgehend identisch und unterscheiden sich nur geringfügig von der Pali-Version.
Die chinesische Übersetzung wurde von Guṇabhadra (ca. 435–443 n. Chr.) im Rahmen eines Übersetzungsprojekts der Samyuktāgama Sutta (雜阿含經) angefertigt. Man nimmt an, dass Guṇabhadra den Sanskrit-Text aus Sri Lanka nach China bringen ließ. Ein separater Sanskrit-Text, der ebenfalls Teil des fragmentarischen Saṃyuktāgama ist und aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammt, ist erhalten geblieben.
Der Text wird in Werken von Nāgārjuna und seinen Kommentatoren in Sanskrit zitiert und auch in mehreren Mahāyāna-Sūtras. Nāgārjunas Zitat lässt vermuten, dass er eine andere Version als die überlieferte Sanskrit-Fassung besaß.
Das Sutta wird auch im Laṅkāvatāra Sūtra (Abschnitt LXII; S. 145) zitiert. Es wird auch im Sanskrit in Nāgārjunas Mūlamadhyamakakārika (MMK 15.7) und in Kommentaren zu diesem Werk von Candrakīrti, nämlich Prassanapadā und Madhyamakāvatārabhāṣya, zitiert.
Inhalt
Mahākaccāna fragt nach der Bedeutung des Ausdrucks „rechte Ansicht“ (Pali: sammādiṭṭhi; Skt: samyagdṛṣṭi; Ch: 正見).
Kaccāna ist eine bedeutende Figur im Pali-Kanon, und ihm werden zwei kanonische Kommentare zugeschrieben.
Die Frage nach Existenz und Nicht-Existenz wird im Kontext der rechten Ansicht (sammādiṭṭhi) erörtert, wobei Mahākaccāna den Buddha zunächst bittet, ihm die rechte Ansicht zu definieren[1].
Das Hauptthema des Textes ist die Vermeidung der Extreme „Existenz“ (Pāli: atthi) und „Nicht-Existenz“ (Pāli: natthi) in Bezug auf die Welt (Pāli: loka). Stattdessen wird die Betrachtung der Welt im Sinne des Mittleren Weges empfohlen, der durch die zwölf Nidānas veranschaulicht wird.
In der chinesischen Version werden die Begriffe „Existenz“ und „Nicht-Existenz“ mit 有 (yǒu) und 無 (wú) wiedergegeben. Der Sanskrit-Text verwendet diesbezüglich die Begriffe asti und nāsti.
Nāgārjunas Sanskrit-Zitat verwendet stattdessen die Wörter bhava und abhava. Diese Begriffe bedeuten im Kontext mehr oder weniger dasselbe, da die Wurzeln sowohl von atthi (Sanskrit: asti) als auch von bhava von Verben stammen, die „sein“ bedeuten (d. h. √as und √bhū).
Übersetzung
In Savatthi weilend… Da näherte sich der Ehrwürdige Kaccayana Gotta dem Erhabenen und verneigte sich nach seiner Ankunft zur Seite. Während er dort saß, sprach er zum Erhabenen: „Herr, es heißt: ‚Rechte Ansicht, rechte Ansicht. In welchem Maße gibt es rechte Ansicht?“
„Im Großen und Ganzen, Kaccayana, beruht diese Welt auf einer Polarität, nämlich der von Sein und Nichtsein. Doch wenn man den Ursprung der Welt mit rechter Unterscheidungskraft so erkennt, wie er wirklich ist, so kommt einem das ‚Nichtsein‘ in Bezug auf die Welt nicht in den Sinn. Wenn man das Ende der Welt mit rechter Unterscheidungskraft so erkennt, wie es wirklich ist, so kommt einem das ‚Sein‘ in Bezug auf die Welt nicht in den Sinn.“
„Im Großen und Ganzen, Kaccayana, ist diese Welt an Anhaftungen, Festhalten (Lebensmittel) und Vorurteile gebunden.“ Doch ein solcher Mensch lässt sich nicht auf diese Anhaftungen, Fixierungen, Bewusstseinsverzerrungen, Vorurteile oder Obsessionen ein und verharrt ihnen nicht; er ist auch nicht auf sein „Selbst“ fixiert. Er hegt keinen Zweifel daran, dass Stress, wenn er entsteht, entsteht und wenn er vergeht, vergeht. Darin ist sein Wissen unabhängig von anderen. Insofern, Kaccayana, liegt die richtige Sichtweise.
„‚Alles existiert‘: Das ist das eine Extrem. ‚Alles existiert nicht‘: Das ist das zweite Extrem. Indem der Tathagata diese beiden Extreme vermeidet, lehrt er den Dhamma über den Mittelweg: Aus Unwissenheit als Voraussetzung entstehen Erfindungen. Aus Erfindungen als Voraussetzung entsteht Bewusstsein. Aus Bewusstsein als Voraussetzung entsteht Name und Form. Aus Name und Form als Voraussetzung entstehen die sechs Sinne. Aus den sechs Sinnen als Voraussetzung entsteht Berührung. Aus Berührung als Voraussetzung entsteht Gefühl. Aus Gefühl als Voraussetzung entsteht Begierde. Aus Begierde als Voraussetzung entsteht Anhaften/Erhaltung. Aus Anhaften/Erhaltung entsteht Werden. Aus Werden als Voraussetzung entsteht Geburt. Aus Geburt als Voraussetzung entstehen Altern und Tod, Kummer, Klage, Schmerz, Not und Verzweiflung. So entsteht die ganze Masse an Stress und Leid.
Nun aus dem restlosen Verblassen und Mit dem Ende dieser Unwissenheit hört auch das Erfinden auf. Mit dem Ende des Erfindens hört das Bewusstsein auf. Mit dem Ende des Bewusstseins hört Name und Form auf. Mit dem Ende von Name und Form hören die sechs Sinne auf. Mit dem Ende der sechs Sinne hört der Kontakt auf. Mit dem Ende des Kontakts hört das Fühlen auf. Mit dem Ende des Fühlens hört das Verlangen auf. Mit dem Ende des Verlangens hört das Anhaften auf. Mit dem Ende des Anhaftens hört das Werden auf. Mit dem Ende des Werdens hört die Geburt auf. Mit dem Ende der Geburt hören Altern und Tod, Kummer, Klage, Schmerz, Not und Verzweiflung auf. So hört diese ganze Masse an Stress und Leid auf.[2]
Literatur
- Pali: Saṃyutta Nikāya (SN 12.15, PTS iii.16-17); Channa Sutta (SN 22.90).
- Sanskrit: Sūtra 19 des Nidānasaṃyukta, in einer Saṃyuktāgama-Sammlung aus Turfan, vermutlich im 13. oder 14. Jahrhundert abgeschrieben.[2]
- Chinesisch: Saṃyuktāgama 301 (T. 2.99 85a-86c),[3] ; teilweise zitiert im Saṃyuktāgama 262 (T. 2.99 66c01-c18 = SN 22.90) mit einer deutlich abweichenden Wiedergabe.
Sanskrit: Saṃyuktāgama 301 (T. 2.99 66c01-c18 = SN 22.90) mit einer deutlich abweichenden Wiedergabe, was auf einen anderen Übersetzer schließen lässt.
- Jayarava. Kaccānagotta Sutta (SN 12.15, PTS S ii.16.) zusammen mit Buddhaghosas Kommentar (PTS SA ii.32).
- Aus dem Chinesischen : Choong Mun-keat & Piya Tan (2004) „Saṃyukta Āgama 301 = Taishō 2.99.85c-86a“. Dharmafarer
- Tripāṭhi, C. (1962). Sanskrittexte as den Turfanfunden. Akademie-Verlag.
- CBETA : T 2.99.
- Kalupahana, David J. (1986). Nāgārjuna: Die Philosophie des Mittleren Weges. State University of New York Press.
- Li, Shenghai. Candrakīrtis Āgama: Eine Studie über das Konzept und die Verwendung der Schrift im klassischen indischen Buddhismus. [Dissertation]. 2012.
- Mattia Salvini. „Der Nidānasamyukta und die Mūlamadhyamakakārikā: Den Mittleren Weg durch Vergleich und Exegese verstehen.“ Thai International Journal of Buddhist Studies II (2011): 57-95.
- Tripāṭhī, Chandra. (Hrsg.). „Fünfundzwanzig Sūtras Des Nidānasaṃyukta“ in Sanskrittexte aus den Turfanfunden (Bd. VIII). Herausgegeben von Ernst Waldschmidt. Berlin: Akademie-Verlag, 1962.
- Vaidya, P. L. Saddharma-laṅkāvatāra Sūtram. Das Mithila Institute of Post-Graduate Studies and Research in Sanskrit Learning. Darbhanga. 1963.
Referenzen
- ↑ Suddhāso Bhikkhu: to Kaccānagotta
- ↑ * Kaccayanagotta Sutta, Thanissaro Bhikkhu, C. Commons 4.0