Hermann Oldenberg: Unterschied zwischen den Versionen

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== Werdegang ==
== Werdegang ==
Hermann Oldenberg's Vater Friedrich (1820–1894) war Seelsorger und Inspektor im hamburger Rauhen Haus.
Hermann Oldenberg's Vater Friedrich (1820–1894) war Seelsorger und Inspektor im hamburger Rauhen Haus.
Oldenberg hatte zwei brüder, den Dipterologen Lorenz Oldenberg (1863–1931) und den Juristen Karl Oldenberg (1864–1936).
Oldenberg hatte zwei Brüder, den Dipterologen Lorenz Oldenberg (1863–1931) und den Juristen Karl Oldenberg (1864–1936).
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Er studierte Klassische Philologie und Indologie an der Georg-August-Universität Göttingen und der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. <br>
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1889 wurde Oldenberg Ordinarius an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel, deren Rektor er bis 1907 war.
1889 wurde Oldenberg Ordinarius an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel, deren Rektor er bis 1907 war.
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1908 wechselte er nach Göttingen. In den Jahren 1912 und 1913 reiste er zu Studien nach Indien.
1908 wechselte er nach Göttingen. In den Jahren 1912 und 1913 reiste er zu Studien nach Indien.
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Ab 1890 war Oldenberg korrespondierendes und ab 1909 ordentliches Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften.
Ab 1890 war Oldenberg korrespondierendes und ab 1909 ordentliches Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften.
Forschung
 
== Reliöse Studien ==
== Religiöse Studien ==
Oldenberg widmete sich  zunächst dem Studium des [[Buddhismus]]. 1879–1883 gab er den Vinayapitaka heraus, einen wichtigen Text mit Regeln zum Leben in buddhistischen Klöstern, den er später auch in englischer Übersetzung in den Sacred Books of the East veröffentlichte. Sein Buchtitel ''Buddha, Sein Leben, seine Lehre, seine Gemeinde'' war jahrzehntelang ein Klassiker der Fachliteratur, der aujch ins Französische, Russische und Englische übersetzt wurde. Oldenberg stützte sich auf Quellen in Pali und verwies auf Buddha als historische Persönlichkeit.
Oldenberg widmete sich  zunächst dem Studium des [[Buddhismus]]. 1879–1883 gab er den Vinayapitaka heraus, einen wichtigen Text mit Regeln zum Leben in buddhistischen Klöstern, den er später auch in englischer Übersetzung in den Sacred Books of the East veröffentlichte. Sein Buchtitel ''Buddha, Sein Leben, seine Lehre, seine Gemeinde'' war jahrzehntelang ein Klassiker der Fachliteratur, der aujch ins Französische, Russische und Englische übersetzt wurde. Oldenberg stützte sich auf Quellen in Pali und verwies auf Buddha als historische Persönlichkeit.


Seine Studien galten aber auch dem [[Rigveda]]. Sein ''Buch Die Religion des Veda'' (1894) war eine wichtige Fachpublikation.  
Seine Studien galten aber auch dem [[Rigveda]]. Sein ''Buch Die Religion des Veda'' (1894) war eine wichtige Fachpublikation.  
Bei seinen Studien zog er neben linguistischen Methoden  auch die Ethnologie als Hilfswissenschaft hinzu.  
Bei seinen Studien zog er neben linguistischen Methoden  auch die Ethnologie als Hilfswissenschaft hinzu. <br>
Er versuchte den Urtext des Rigveda zu rekonstruieren, der von Priesterfamilien mündlich tradiert worden war, bevor er schliesslich schriftlich niedergelegt wurde.  
Er versuchte den Urtext des [[Rigveda]] zu rekonstruieren, der von Priesterfamilien mündlich tradiert worden war, bevor er schliesslich schriftlich niedergelegt wurde.  
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In weiteren Studien beschäftigte sich Oldenberg mit den [[Upanishaden]], den [[Brahmanas]] und dem [[Mahabharata]]. 1903 erschien sein Buch ''Die Literatur des alten Indien''.
In weiteren Studien beschäftigte sich Oldenberg mit den [[Upanishaden]], den [[Brahmanas]] und dem [[Mahabharata]]. 1903 erschien sein Buch ''Die Literatur des alten Indien''.
Oldenberg hat allerdings nie eine systematische innere Symbolik oder psychologische Tiefenstruktur anerkannt. Er hielt solche Interpretationen für anachronistisch und unwissenschaftlich. Er war überzeugt, dass die vedischen Sänger keine Mystiker sondern Ritualtechniker waren. Für ihn war der Rigveda vor allem ein Priestertext, der Ausdruck einer opferzentrierten Religion, geprägt von berufsmäßigen Sängern, ohne tiefere psychologische oder mystische Dimension.
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Damit steht er methodisch diametral zu Sri [[Aurobindo]], der dem Rigveda eine innere Symbolik zuordnete und aihn als Ausdruck einer inneren spirituellen Psychologie ansah, voll von yogischen Bildern und keineswegs bloß Ritualtext.


== Werke ==
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#  [[Rigveda]]. Textkritische und exegetische Noten. Teil 1: Berlin 1909, Teil 2: Berlin 1912 (Abhandlungen der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, phil.-hist. Klasse, N.F. 11,5 und 13,3)
#  [[Rigveda]]. Textkritische und exegetische Noten. Teil 1: Berlin 1909, Teil 2: Berlin 1912 (Abhandlungen der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, phil.-hist. Klasse, N.F. 11,5 und 13,3)
#  Die Lehre der Upanishaden und die Anfänge des Buddhismus. Vandenhoeck and Ruprecht, Göttingen 1915.
#  Die Lehre der Upanishaden und die Anfänge des Buddhismus. Vandenhoeck and Ruprecht, Göttingen 1915.
#  Zur Religion und Mythologie des Veda. In: Nachrichten von der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. Philologisch-historische Klasse aus dem Jahre 1915. Weidmannsche Buchhandlung, Berlin 1916, S. 167–403 (bei Internet Archive)
#  Zur Religion und Mythologie des Veda. In: Nachrichten von der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. Philologisch-historische Klasse aus dem Jahre 1915. Weidmannsche Buchhandlung, Berlin 1916, S. 167–403  
#  Kleine Schriften. 2 Teile. Stuttgart 1967 (Glasenapp-Stiftung 5, 1+2)
#  Kleine Schriften. 2 Teile. Stuttgart 1967 (Glasenapp-Stiftung 5, 1+2)
#  Kleine Schriften. Teil 3. Stuttgart 1993 (Glasenapp-Stiftung 34), ISBN 3-515-06122-3
#  Kleine Schriften. Teil 3. Stuttgart 1993 (Glasenapp-Stiftung 34), ISBN 3-515-06122-3

Aktuelle Version vom 5. März 2026, 12:38 Uhr

Hermann Oldenberg (* 31. Oktober 1854 in Hamburg; † 18. März 1920 in Göttingen) war ein deutscher Indologe, der auf den Gebieten der Buddhismusforschung und des Veda tätig war.

Herman Oldenberg

Werdegang

Hermann Oldenberg's Vater Friedrich (1820–1894) war Seelsorger und Inspektor im hamburger Rauhen Haus. Oldenberg hatte zwei Brüder, den Dipterologen Lorenz Oldenberg (1863–1931) und den Juristen Karl Oldenberg (1864–1936).
Er studierte Klassische Philologie und Indologie an der Georg-August-Universität Göttingen und der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin.
Um 1884 heiratete Oldenburg die Geigerin Babette Lobach (1857–1940).
1875 wurde er zum Dr. phil. promoviert. 1878 folgte die Habilitation für Sanskrit.
1889 wurde Oldenberg Ordinarius an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel, deren Rektor er bis 1907 war.
1908 wechselte er nach Göttingen. In den Jahren 1912 und 1913 reiste er zu Studien nach Indien.
Ab 1890 war Oldenberg korrespondierendes und ab 1909 ordentliches Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften.

Religiöse Studien

Oldenberg widmete sich zunächst dem Studium des Buddhismus. 1879–1883 gab er den Vinayapitaka heraus, einen wichtigen Text mit Regeln zum Leben in buddhistischen Klöstern, den er später auch in englischer Übersetzung in den Sacred Books of the East veröffentlichte. Sein Buchtitel Buddha, Sein Leben, seine Lehre, seine Gemeinde war jahrzehntelang ein Klassiker der Fachliteratur, der aujch ins Französische, Russische und Englische übersetzt wurde. Oldenberg stützte sich auf Quellen in Pali und verwies auf Buddha als historische Persönlichkeit.

Seine Studien galten aber auch dem Rigveda. Sein Buch Die Religion des Veda (1894) war eine wichtige Fachpublikation. Bei seinen Studien zog er neben linguistischen Methoden auch die Ethnologie als Hilfswissenschaft hinzu.
Er versuchte den Urtext des Rigveda zu rekonstruieren, der von Priesterfamilien mündlich tradiert worden war, bevor er schliesslich schriftlich niedergelegt wurde.
In weiteren Studien beschäftigte sich Oldenberg mit den Upanishaden, den Brahmanas und dem Mahabharata. 1903 erschien sein Buch Die Literatur des alten Indien.

Oldenberg hat allerdings nie eine systematische innere Symbolik oder psychologische Tiefenstruktur anerkannt. Er hielt solche Interpretationen für anachronistisch und unwissenschaftlich. Er war überzeugt, dass die vedischen Sänger keine Mystiker sondern Ritualtechniker waren. Für ihn war der Rigveda vor allem ein Priestertext, der Ausdruck einer opferzentrierten Religion, geprägt von berufsmäßigen Sängern, ohne tiefere psychologische oder mystische Dimension.
Damit steht er methodisch diametral zu Sri Aurobindo, der dem Rigveda eine innere Symbolik zuordnete und aihn als Ausdruck einer inneren spirituellen Psychologie ansah, voll von yogischen Bildern und keineswegs bloß Ritualtext.

Werke

  1. The Dîpavamsa; an ancient Buddhist historical record. Williams and Norgate, London 1879
  2. Buddha: Sein Leben, seine Lehre, seine Gemeinde, Verlag Wilhelm Hertz, Berlin 1881.
  3. The Grihya-sûtras, rules of Vedic domestic ceremonies. Vol. 1, The Clarendon press, Oxford 1886
  4. The Grihya-sûtras, rules of Vedic domestic ceremonies. Vol. 2, The Clarendon press, Oxford 1886
  5. Goethe's und Carlyle's Briefwechsel (Hrsg.), Berlin, 1887
  6. Die Hymnen des Rigveda. Bd. 1: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena. Berlin 1888; Nachdruck: Wiesbaden 1982, ISBN 3-515-03800-0
  7. Zur Geschichte des indischen Kastenwesens, in: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, Bd. 51 (1897), S. 267 ff.
  8. Die Religion des Veda. Berlin 1894; 2. Aufl. Stuttgart, Berlin 1917
  9. Vedaforschung. Stuttgart, Berlin 1905 (Djvu)
  10. Rigveda. Textkritische und exegetische Noten. Teil 1: Berlin 1909, Teil 2: Berlin 1912 (Abhandlungen der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, phil.-hist. Klasse, N.F. 11,5 und 13,3)
  11. Die Lehre der Upanishaden und die Anfänge des Buddhismus. Vandenhoeck and Ruprecht, Göttingen 1915.
  12. Zur Religion und Mythologie des Veda. In: Nachrichten von der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. Philologisch-historische Klasse aus dem Jahre 1915. Weidmannsche Buchhandlung, Berlin 1916, S. 167–403
  13. Kleine Schriften. 2 Teile. Stuttgart 1967 (Glasenapp-Stiftung 5, 1+2)
  14. Kleine Schriften. Teil 3. Stuttgart 1993 (Glasenapp-Stiftung 34), ISBN 3-515-06122-3

Literatur

  • Alfred Bertholet: Hermann Oldenberg. In: Nachrichten von der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, Geschäftliche Mitteilungen 1920, S. 53–63
  • Friedrich Wilhelm: Oldenberg, Hermann. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 19. Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 507–508 (deutsche-biographie.de).
  • Walter Troxler: OLDENBERG, Hermann. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 6, Bautz, Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1, Sp. 1177–1178.
  • Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 , Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 182.
  • Wikisource: Hermann Oldenberg – Quellen und Volltexte
  • Archive-Suche : Oldenberg

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