Splendor Solis: Unterschied zwischen den Versionen

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Das Erste/ So sich gebüret in der Künst Alchimiæ ist die '''Aufflösung'''.
Hermes, der erste Meister dieser Kunst, sagt Folgendes: „Das Wasser der Luft, das zwischen Himmel und Erde ist, ist das Leben allen Seins; denn durch seine Feuchtigkeit und Wärme ist es das Bindeglied zwischen den beiden Gegensätzen – wie Feuer und Wasser. Und deshalb regnet es Wasser auf die Erde.
Denn es erforderts die Ordnung der Natur/ dasz der Corpus in ein Wasser gekeret werde: Das ist ein Quecksilber/ Vnd ist sovil geredet: Das lebendig Silber löset auff den Schwefel/ welcher Jhme zugefüget vnd zugedigen ist. »Vnd dise Aufflösung ist
Der Himmel hat sich geöffnet und seinen Tau auf die Erde gesandt, der sie süß wie Honig und feucht macht.
nichts anders/ dann eine ertödtung des Feuchten mit dem Truckenen/ vnd ist aigentlich die '''Putrefactio'''/ vnd deßhalb wird die Materi Schwartz
Darum blüht die Erde und trägt vielfältige Blüten und Früchte in allen Farben, und in ihrem Inneren ist ein großer Baum mit einem silbernen Stamm gewachsen, der sich bis zur Erdoberfläche erstreckt. Auf seinen Zweigen saßen viele Arten von Vögeln, die alle bei Tagesanbruch fortflogen, wenn der Rabenkopf weiß wurde.
Derselbe [[Baum]] trägt drei Arten von Früchten. Die ersten sind die feinsten Perlen.
Die zweiten werden von den Philosophen ''Terra Foliata'' genannt. Die dritten sind das reinste Gold. Dieser Baum schenkt uns auch die Frucht der Gesundheit, er wärmt, was kalt ist, und was kalt ist, macht es warm, was trocken ist, macht es feucht, und macht feucht, was trocken ist, und macht das Harte weich, und härtet das Weiche, und dies ist das Ziel der ganzen Kunst.
Davon sagt der Autor von „Die drei Worte“: „Die drei Feuchtigkeiten sind die kostbarsten Worte der ganzen Meisterschaft.“ Und
dasselbe sagt Galenus, wenn er von dem Kraut Lunatica oder Berissa spricht.
Seine Wurzel ist eine metamorphe Erde; sie hat einen roten, schwarz gefleckten Stängel, wächst schnell und verrottet schnell und bildet nach drei Tagen zitronengelbe Blüten. Legt man sie in Quecksilber, verwandelt sie sich in reines Silber, und dieses wiederum verwandelt sich durch weiteres Abkochen in Gold, welches dann hundert Teile Quecksilber in feinstes Gold verwandelt. Von diesem Baum spricht Vergil im sechsten Buch der Aeneis, als er eine Fabel erzählt, wie Aeneas und Silvius zu einem Baum gingen, der goldene Zweige hatte, und immer wenn einer abbrach, wuchs ein neuer nach.
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Das Ander ist die '''Coagulatio'''/ die ist/ das Wasser widerumb verkeren in den Corpus: vnd ist sovil
DAS DRITTE GLEICHNIS
geredet: Dasz der Schwefel/ so vom lebendigem Silber/ widerumb auffgelöst ist/ dasz er dasselbige Lebendige Silber wiederumb halt vnd zu Jhme zeucht/ vnd auß dem Waßer die Erde werd/ oder der Corpus: Vnd da ist von nöhten/ andere vnd VilerleÿFarben erzeigen. Dann so sich wandeln die Eigenschafften des wirckenden Dinges/ mus vor die schicklichkeit des Leidenden Dinges gewandelt werden/ »Wann Warumb in der Aufflösung ist das Lebendig Silber gleich dem Wirckendem: Aber in der Coagulation ist es das Leidende/ darein gewircket wird.«
Avincena sagt im Kapitel über die Feuchtigkeit: „Wenn Wärme auf einen feuchten Körper einwirkt, ist Schwärze die erste Folge.“
Vnd deßhalb wird diese Kunst zugeaignet dem Spil der Kinder/ die so sie spilen/ daß so Oben gelegen/ ligt ietzt vnten.
Aus diesem Grund haben die alten Philosophen erklärt, sie hätten einen Nebel aufsteigen und über die ganze Erde ziehen sehen; sie sahen auch die Ungestümtheit des Meeres und die Ströme über die Erde und wie diese in der Dunkelheit faulig und stinkend wurden.
Sie sahen ferner den König der Erde versinken und hörten ihn mit eifriger Stimme rufen: „Wer mich rettet, soll mit mir leben und herrschen in Ewigkeit in meinem Glanz auf meinem königlichen Thron“, und die Nacht umhüllte alles.
Am nächsten Tag sahen sie über dem König einen scheinbaren Morgenstern, und das Licht des Tages vertrieb die Dunkelheit, das helle Sonnenlicht durchbrach die Wolken mit vielfältig farbigen Strahlen von strahlender Helligkeit, und ein süßer Duft stieg von der Erde auf, und die Sonne schien klar.
Hiermit war die Zeit vollendet, da der König der Erde befreit und erneuert wurde, wohlgekleidet, und von überaus schöner Schönheit, die Sonne und Mond mit ihrer Pracht überraschte.  
Er wurde mit drei kostbaren Kronen gekrönt, eine aus Eisen, eine aus Silber und die dritte aus reinem Gold. In seiner rechten Hand sahen sie ein Zepter mit sieben Sternen, die alle goldenen Glanz verliehen, und in seiner linken Hand einen goldenen Apfel, auf dem eine weiße Taube saß, deren Flügel teils silbern, teils golden schimmerten, die Aristoteles so treffend beschrieb, als er sagte: „Die Zerstörung des einen ist die Geburt des anderen.“ Dies bedeutet in dieser meisterhaften Kunst: „Entziehe dem Ding seine zerstörerische Feuchtigkeit und erneuere es mit seinem eigenen Wesen, das zu seiner Vollkommenheit und seinem Leben wird.
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Version vom 18. Februar 2026, 11:04 Uhr

Das Splendor Solis(Sonnenglanz) ist ein mit allegorischen Bildern illustriertes alchemistisches Manuskript von Salomon Trismosin aus dem 16. Jahrhundert.

Splendor Solis

Übersetzungen

Die früheste mitteldeutsche Fassung stammt aus den Jahren 1532–1535 und ist Teil der Sammlung des Kupferstichkabinetts (Handschrift 78 D 3) der Staatlichen Museen Berlin. Weitere Exemplare befinden sich unter anderem in der londoner British Library und in der Pariser Nationalbibliothek. Das Werk wurde 1612 ins Französische übersetzt und von William Backhouse ins Englische übersetzt(Harley Ms. 3469)[1].

Das Buch besteht aus sieben Traktaten.[2]. Das zentrale Thema des Textes ist die Herstellung und Wirkungsweise des Steines der Weisen("Philosophi").

Beispiel : Traktat 1 , 35 und 131

=== Vorwort ===

Vorwort
ALPHIDIUS, einer der alten Philosophen, sagte: „Wer sich nicht die Mühe macht, den Stein der Weisen zu erlangen, ist besser dran, gar keine Nachforschungen anzustellen, als nur nutzlose.“
Dasselbe sagt auch Rhases in seinem Buch „Licht der Lichter“: „So sei es nun allen gesagt, ich ermahne sie hiermit eindringlich, dass niemand so tollkühn sei, sich anzumaßen, die unbekannte Mischung der Elemente zu verstehen, denn wie Rosinus sagt: „Alle, die sich mit dieser Kunst beschäftigen und denen das Wissen und die Einsicht in die Dinge fehlen, die die Philosophen in ihren Büchern beschrieben haben, irren gewaltig; denn die Philosophen haben diese Kunst auf einen natürlichen Ursprung, aber auf einen sehr verborgenen Vorgang gegründet.“
Obwohl es offenkundig ist, dass alle körperlichen Dinge ihren Ursprung in der Erde haben, von ihr erhalten werden und aus ihr bestehen, gemäß der Zeit und dem Einfluss der Sterne und Planeten, wie Sonne, Mond und den anderen, zusammen mit den vier Eigenschaften der Elemente, die sich ununterbrochen in ihr bewegen und wirken und dadurch alles Wachsende und sich fortpflanzende in seiner individuellen Form, seinem Geschlecht und seiner Substanz erschaffen, wie es Gott, der Schöpfer, am Anfang erschaffen hat, so haben folglich auch alle Metalle ihren Ursprung in der Erde aus einer besonderen und einzigartigen Materie, die durch die vier Eigenschaften der vier Elemente erzeugt wird, welche in ihrer Mischung unter dem Einfluss ihrer jeweiligen Planeten die metallische Kraft erzeugen.
All dies wird vom Naturforscher Aristoteles im vierten Buch Meteorologicorum treffend beschrieben, wenn er sagt, dass Quecksilber eine allen Metallen gemeinsame Materie ist. Es muss jedoch bekannt sein, dass in der Natur zuerst die aus den vier Elementen zusammengesetzte Materie existiert. In Anerkennung dieser Eigenschaft der Natur nannten die Philosophen ihre Materie Mercurius oder Quecksilber.
Wie dieser Merkur durch die Wirkung der Natur die vollkommene Form von Gold, Silber oder anderen Metallen annimmt, muss hier nicht erwähnt werden. Die Lehrer der Naturphilosophie beschreiben dies in ihren Büchern ausführlich. Darauf basiert die Kunst des Steins der Weisen; denn sie entspringt der Natur und nimmt von dort aus ein natürliches Ziel in gerechter Form durch gerechte und natürliche Mittel.

=== 1. Abhandlung ===

DIE ERSTE ABHANDLUNG
In der folgenden Abhandlung werden wir über den Ursprung des Steins der Weisen und die Kunst seiner Herstellung sprechen.
Der Stein der Weisen entsteht durch das Ergrünen und Wachsen der Natur.
Hali, der Philosoph, sagt dazu: „Dieser Stein entsteht im Wachsen und Ergrünen der Dinge.“ Wenn also das Grün auf seine ursprüngliche Natur reduziert wird, durch die Dinge sprießen und zu gegebener Zeit hervorkommen, muss es gemäß unserer geheimen Kunst abgekocht und verrottet werden.
Damit durch Kunst unterstützt wird, was die Natur abkocht und verrotten lässt, bis sie ihm zur gegebenen Zeit die richtige Form gibt, und unsere Kunst die Materie nur so anpasst und vorbereitet, wie es der Natur entspricht, für diese Arbeit und stellt mit vorausschauender Weisheit auch ein geeignetes Gefäß für diese Arbeit bereit.
Denn die Kunst unternimmt es nicht, Gold und Silber neu zu erschaffen, da sie der Materie ihren Ursprung nicht geben kann, noch ist es nötig, unsere Kunst an den Orten und in den Höhlen der Erde zu suchen, wo Mineralien ihren Ursprung haben.
Die Kunst geht einen ganz anderen Weg und arbeitet mit einer anderen Absicht als die Natur; deshalb verwendet sie auch andere Werkzeuge und Instrumente.
Aus diesem Grund kann die Kunst aus den genannten natürlichen Anfängen Außergewöhnliches hervorbringen, wie es die Natur von sich aus niemals schaffen könnte.
Denn die Natur allein schafft keine Dinge, durch die unvollkommene Metalle im Nu vollkommen werden können, sondern nur durch die Geheimnisse unserer Kunst. Hier dient die Natur der Kunst mit der Materie, und die Kunst dient der Natur mit geeigneten Instrumenten und Methoden, die es der Natur ermöglichen, solche neuen Formen hervorzubringen; und obwohl der zuvor erwähnte Stein nur durch die Kunst in seine eigentliche Form gebracht werden kann, so stammt die Form doch von der Natur.
Denn die Form aller Dinge, sei sie lebendig, wachsend oder metallisch, entsteht durch die innere Kraft in der Materie – mit Ausnahme der menschlichen Seele.
Man muss sich jedoch vor Augen halten, dass die essentielle Form nicht in der Materie entstehen kann, es sei denn durch die Wirkung einer akzessorischen Form, nicht aufgrund dieser Form selbst, sondern aufgrund einer anderen realen Substanz, nämlich des Feuers oder einer anderen akzessorischen aktiven Wärme.
Als Allegorie betrachten wir ein Hühnerei; in diesem kann die Form des Kükens nicht ohne die Anwesenheit und Hilfe einer akzessorischen Form Gestalt annehmen, die die Vermischung des Roten mit dem Weißen durch die Wärme der schlüpfenden Henne ist. Und obwohl das Ei die Materie der Henne ist, kann es seine reale oder akzessorische Form nur durch Fäulnis entwickeln, die durch den Einfluss von Wärme verursacht wird. So kann auch die reale oder akzessorische Form des Steins der Weisen nicht in seiner natürlichen Materie entstehen, ohne dass Fäulnis oder Dekoktion, von denen wir später sprechen werden, wirken.
Verwesung tritt ein, wenn die natürliche Wärme eines feuchten Körpers durch äußere Hitze verdrängt wird oder wenn die natürliche Wärme des Subjekts durch Kälte zerstört wird. Denn dann verlässt die natürliche Wärme alles und macht Platz für Verwesung.
Die Philosophen meinen nicht diese Art von Verwesung. Ihre Verwesung ist eine Befeuchtung trockener Körper, damit diese in ihren
früheren Zustand des Ergrünens und Wachsens zurückgeführt werden können.
Bei diesem Verwesungsprozess verbinden sich Feuchtigkeit und Trockenheit und werden nicht zerstört, sondern die Feuchtigkeit wird vollständig von der Trockenheit getrennt.
Anschließend müssen die trockenen, zu Asche gewordenen Teile abgetrennt werden.
Diese Verbrennung werden die Philosophen ebenfalls nicht praktizieren, sondern ihre eigene Verwesung, die eine Trocknung, Verreibung und Kalzinierung ist, die so durchgeführt wird, dass die natürliche Feuchtigkeit und Trockenheit zwar miteinander verbunden, aber von der überschüssigen, zerstörerischen Feuchtigkeit getrennt und getrocknet werden.
Schon während die Nahrung im Magen eines Tieres aufgenommen wird, damit sie verdaut und umgewandelt werden kann und anschließend die für das Überleben und die Vermehrung der Natur notwendige Nahrungskraft und Feuchtigkeit liefert, und von ihren überflüssigen Bestandteilen getrennt wird. Wie also alles seiner Natur entsprechend ernährt werden muss, wird im bereits erwähnten Stein der Weisen gezeigt.
Man muss sich jedoch vor Augen halten, dass die essentielle Form nicht in der Materie entstehen kann, es sei denn durch die Wirkung einer akzessorischen Form, nicht aufgrund dieser Form selbst, sondern aufgrund einer anderen realen Substanz, nämlich des Feuers oder einer anderen akzessorischen aktiven Wärme.
Als Allegorie betrachten wir ein Hühnerei; in diesem kann die Form des Kükens nicht ohne die Anwesenheit und Hilfe einer akzessorischen Form Gestalt annehmen, die die Vermischung des Roten mit dem Weißen durch die Wärme der schlüpfenden Henne ist. Und obwohl das Ei die Materie der Henne ist, kann es seine reale oder akzessorische Form nur durch Fäulnis entwickeln, die durch den Einfluss von Wärme verursacht wird. So kann auch die reale oder akzessorische Form des Steins der Weisen nicht in seiner natürlichen Materie entstehen, ohne dass Fäulnis oder Dekoktion, von denen wir später sprechen werden, wirken.
Verwesung tritt ein, wenn die natürliche Wärme eines feuchten Körpers durch äußere Hitze verdrängt wird oder wenn die natürliche Wärme des Subjekts durch Kälte zerstört wird. Denn dann verlässt die natürliche Wärme alles und macht Platz für Verwesung.
Die Philosophen meinen nicht diese Art von Verwesung. Ihre Verwesung ist eine Befeuchtung trockener Körper, damit diese in ihren
früheren Zustand des Ergrünens und Wachsens zurückgeführt werden können.
Bei diesem Verwesungsprozess verbinden sich Feuchtigkeit und Trockenheit und werden nicht zerstört, sondern die Feuchtigkeit wird vollständig von der Trockenheit getrennt.
Anschließend müssen die trockenen, zu Asche gewordenen Teile abgetrennt werden.
Diese Verbrennung werden die Philosophen ebenfalls nicht praktizieren, sondern ihre eigene Verwesung, die eine Trocknung, Verreibung und Kalzinierung ist, die so durchgeführt wird, dass die natürliche Feuchtigkeit und Trockenheit zwar miteinander verbunden, aber von der überschüssigen, zerstörerischen Feuchtigkeit getrennt und getrocknet werden.
Schon während die Nahrung im Magen eines Tieres aufgenommen wird, damit sie verdaut und umgewandelt werden kann und anschließend die für das Überleben und die Vermehrung der Natur notwendige Nahrungskraft und Feuchtigkeit liefert, und von ihren überflüssigen Bestandteilen getrennt wird. Wie also alles seiner Natur entsprechend ernährt werden muss, wird im bereits erwähnten Stein der Weisen gezeigt.

=== 2. Abhandlung ===

DIE ZWEITE ABHANDLUNG
MATERIAL UND WESEN DES STEINS DER WEISEN
MORIENUS sagt: „Ihr sollt wissen, dass die gesamte Kunst dieser Lehre in zwei eng miteinander verbundenen Operationen mündet,
sodass, wenn die eine abgeschlossen ist, die andere beginnen und vollenden kann, wodurch die gesamte Meisterschaft vervollkommnet wird.“
Da sie aber nur auf ihr eigenes Material einwirken, ist es notwendig, weitere Einzelheiten darüber anzugeben.
Geber sagt in seiner „Summa Perfections Magisteri in SUA Natura“, dass die Natur die Metalle aus Quecksilber und Schwefel erzeugt.
Gleiches gilt für Ferrarius in seiner „Abhandlung über die Alchemie“ im 25. Kapitel: Von Beginn der Entstehung der Metalle an verwendet die Natur ein schleimiges, schweres Wasser, vermischt mit einer besonderen weißen, schwefelhaltigen, subtilen Erde.
Diese löst das Wasser in Dampf auf, lässt es in den Adern oder Spalten der Erde aufsteigen und kocht, verdampft und sammelt es so lange, bis sich schließlich Trockenheit und Feuchtigkeit vollständig vereinen und so die Substanz bilden, die wir Quecksilber nennen.
Diese Substanz bildet die besondere und allererste Materie aller Metalle. Im 26. Kapitel beschreibt Ferrarius sie wie folgt:
„Wer die Natur nachahmen will, soll nicht nur Quecksilber verwenden, sondern Quecksilber vermischt mit Schwefel, aber nicht das gewöhnliche Quecksilber und Schwefel, sondern nur jenes, was die Natur selbst vermischt, gut zubereitet und zu einer süßen Flüssigkeit abgekocht hat. In einem solchen Quecksilber hat die Natur mit einer ursprünglichen Wirkung begonnen und in einer metallischen Natur geendet, indem sie so ihren Teil getan und den Rest der Kunst überlassen hat, ihr Werk zu vollenden, zu einem vollkommenen Stein der Weisen.
Aus dem Vorstehenden wird ersichtlich, dass derjenige, der in dieser Kunst richtig vorgehen will, nach Ansicht aller Philosophen dort beginnen soll, wo die Natur aufgehört hat, und jenen Schwefel und jenes Quecksilber nehmen soll, das die Natur in seiner reinsten Form gesammelt hat, in dem die unmittelbare Vereinigung stattfand, die sonst von niemandem ohne Kunst erreicht werden kann.
Um die Kraft zu erhalten, die solch subtile Materie durchdringt, kalzinieren einige Alchemisten Gold, damit sie es auflösen und die Elemente trennen können, bis sie es zu einem flüchtigen Geist oder zur subtilen Natur der öligen Dämpfe von Quecksilber und Schwefel reduzieren, und dies ist dann die Materie, die sich am engsten mit Gold verbindet und die Form des okkulten Steins der Weisen annimmt. Diese Materie wird genannt der Merkur der Philosophen, über den Aristoteles im Gespräch mit König Alexander sagte: „Wählt für unseren Stein den, mit dem Könige geschmückt und gekrönt werden.“
Obwohl dieses Quecksilber allein die Materie und das Einzige ist und zugleich eine Verbindung anderer Dinge darstellt, ist es doch so vielfältig in seinen Wirkungen und in seinen Namen, dass niemand die wahre Bedeutung aus den Schriften der Philosophen erschließen kann. Dies geschieht, wie Rosinus sagt, „damit es nicht jeder erfassen kann.“
Es ist zugleich ein Mittel zur Erzeugung von Wirkungen und ein Gefäß, in dem sich alle Dinge vervielfältigen, aufgrund der Anpassung aller in der Natur enthaltenen Dinge.
Die Philosophen sagen nun: „Löse die Sache auf, sublimiere sie, destilliere sie, lasse sie gerinnen, lasse sie aufsteigen, lasse sie absinken, weiche sie ein, trockne sie, und immer weiter bis zu einer unbestimmten Anzahl von Operationen, die alle zur selben Zeit und im selben Gefäß stattfinden.“
Alphidius bestätigt dies und sagt:
„Du musst wissen, dass wir beim Auflösen auch sublimieren und ununterbrochen kalzinieren.“ Und wenn unser Körper zum Zweck der Auflösung ins Wasser geworfen wird, verfärbt er sich zunächst schwarz, trennt sich dann, löst sich auf und sublimiert, und vereint sich mit dem Geist, der sein Ursprung und seine Geburt ist.
Er wurde als analog zu allen Dingen der Welt verglichen, sichtbar oder unsichtbar, beseelt oder unbeseelt, körperlich oder tierisch, tot oder lebendig, mineralisch oder pflanzlich.
Analog zu den Elementen und ihren Zusammensetzungen, zu Heißem und Kaltem, zu allen Farben, allen Früchten, allen Vögeln und kurzum zu allem, was zwischen Himmel und Erde ist, und zu all dem gehören auch die genannten Vorgänge zu dieser Kunst, die die Philosophen mit den Worten „Mann und Frau“ oder „Milch und Sahne“ erklären.
Wer dies nicht versteht, versteht die Zubereitung dieser Kunst nicht.

=== 3. Abhandlung ===

DIE DRITTE ABHANDLUNG
NUN FOLGT DIE METHODE, MIT DER DAS GESAMTE WERK DIESER MEISTERSCHAFT VOLLKOMMEN WIRD; ERKLÄRT DURCH EINIGE GEEIGNETE ILLUSTRATIONEN, GLEICHNISSE UND VERSCHIEDENE APHORISMEN DER PHILOSOPHEN
HERMES, ein Vater der Philosophie, sagt: „Es ist in der Tat notwendig, dass am Ende dieser Welt Himmel und Erde sich begegnen und heimkehren.“ Er meint mit Himmel und Erde die vorgenannten beiden Vorgänge; doch viele Zweifel entstehen, bevor das Werk vollendet ist. Damit die folgenden Bilder besser verstanden werden können, geben wir einige Gleichnisse zur Veranschaulichung:
UND DIES IST DAS ERSTE GLEICHNIS: Gott schuf die Erde flach und grob und sehr fruchtbar mit Kies, Sand, Steinen, Bergen und Tälern, aber durch den Einfluss der Planeten und das Wirken der Natur wurde die Erde in viele Formen verwandelt. Draußen gibt es harte Steine, hohe Berge und tiefe Täler.
Im Inneren der Erde befinden sich seltsame Dinge und Farben, wie zum Beispiel Erze und ihre Entstehungsprozesse. Mit solchen Dingen ist die Erde aus ihrer ursprünglichen Form entstanden, und zwar folgendermaßen:
Dort, wo die Erde zu wachsen begann, sich auszudehnen und zu vermehren, bildete die ständige Einwirkung der Sonnenwärme im Inneren der Erde eine schwefelhaltige, dampfartige und feuchte Hitze, die sie durchdrang. Diese durchdringende Wirkung der Sonnenwärme bewirkte in der Kälte und Feuchtigkeit der Erde die Bildung großer Mengen an Dämpfen, Nebel und Gasen, die mit der Zeit anwachsen, bis sie stark genug sind, um ihrer Tendenz zum Aufsteigen zu folgen. Dadurch verursachen sie an der Erdoberfläche Ausbrüche, die Hügel und Täler usw. formen. Dort, wo solche Hügel und Täler zu finden sind, ist die Erde am weitesten entwickelt und am vollkommensten mit Hitze und Kälte, Feuchtigkeit und Trockenheit vermischt, und dort finden sich die besten Erze.
Wo die Erde flach ist, haben sich keine solchen Dämpfe und Gase angesammelt, und dort finden sich keine Erze. Der angehobene Teil des Bodens hingegen, insbesondere jener, der schlammig, lehmig und fettreich war und von oben mit Feuchtigkeit gesättigt wurde, wurde wieder weich und bildete teigartige Schichten übereinander, die im Laufe der Zeit unter dem Einfluss der Sonneneinstrahlung immer fester, hart und ausgetrocknet wurden.
Anderer Boden wie Kies und Sand, spröde und doch weich, der wie Trauben aneinanderklebt, ist zu karg und trocken und hat nicht genügend Feuchtigkeit aufgenommen. Folglich konnte er sich nicht zu Schichten formen, sondern blieb löchrig wie schlecht zubereiteter Brei oder wie ein mehliger Teig, der nicht ausreichend bewässert wurde.
Denn keine Erde kann zu Stein werden, wenn sie nicht reichhaltig, schlammig und gut mit Feuchtigkeit vermischt ist.
Nachdem das Wasser durch die Sonnenhitze verdunstet ist, hält die fetthaltige Substanz den Boden zusammen, da er sonst spröde bliebe und wieder zerbröckeln würde.
Was noch nicht vollkommen hart geworden ist, kann es werden und zu Stein werden, unter dem ständigen Einfluss der Sonnenhitze und der Natur, sowie der bereits erwähnten Dämpfe und Gase, die ihren Ursprung in den Eigenschaften der Elemente haben und auf diese Weise im Erdinneren wirken. Wenn sie sich mit einer reinen, feinen Erdsubstanz an Wasserdämpfe binden, bilden sie das Quecksilber der Philosophen; sind sie jedoch fest und von feuriger, erdiger und feiner Härte, entsteht daraus der Schwefel der Philosophen.
Über diesen Schwefel sagt Hermes: „Er empfängt die Kräfte der höchsten und niedrigsten Planeten und durchdringt mit seiner Kraft feste Dinge, er überwindet alle Materie und alle Edelsteine.“

=== Die andere Parabel ===

Hermes, der erste Meister dieser Kunst, sagt Folgendes: „Das Wasser der Luft, das zwischen Himmel und Erde ist, ist das Leben allen Seins; denn durch seine Feuchtigkeit und Wärme ist es das Bindeglied zwischen den beiden Gegensätzen – wie Feuer und Wasser. Und deshalb regnet es Wasser auf die Erde.
Der Himmel hat sich geöffnet und seinen Tau auf die Erde gesandt, der sie süß wie Honig und feucht macht.
Darum blüht die Erde und trägt vielfältige Blüten und Früchte in allen Farben, und in ihrem Inneren ist ein großer Baum mit einem silbernen Stamm gewachsen, der sich bis zur Erdoberfläche erstreckt. Auf seinen Zweigen saßen viele Arten von Vögeln, die alle bei Tagesanbruch fortflogen, wenn der Rabenkopf weiß wurde.
Derselbe Baum trägt drei Arten von Früchten. Die ersten sind die feinsten Perlen.
Die zweiten werden von den Philosophen Terra Foliata genannt. Die dritten sind das reinste Gold. Dieser Baum schenkt uns auch die Frucht der Gesundheit, er wärmt, was kalt ist, und was kalt ist, macht es warm, was trocken ist, macht es feucht, und macht feucht, was trocken ist, und macht das Harte weich, und härtet das Weiche, und dies ist das Ziel der ganzen Kunst.
Davon sagt der Autor von „Die drei Worte“: „Die drei Feuchtigkeiten sind die kostbarsten Worte der ganzen Meisterschaft.“ Und
dasselbe sagt Galenus, wenn er von dem Kraut Lunatica oder Berissa spricht.
Seine Wurzel ist eine metamorphe Erde; sie hat einen roten, schwarz gefleckten Stängel, wächst schnell und verrottet schnell und bildet nach drei Tagen zitronengelbe Blüten. Legt man sie in Quecksilber, verwandelt sie sich in reines Silber, und dieses wiederum verwandelt sich durch weiteres Abkochen in Gold, welches dann hundert Teile Quecksilber in feinstes Gold verwandelt. Von diesem Baum spricht Vergil im sechsten Buch der Aeneis, als er eine Fabel erzählt, wie Aeneas und Silvius zu einem Baum gingen, der goldene Zweige hatte, und immer wenn einer abbrach, wuchs ein neuer nach.

=== Die dritte Parabel ===

DAS DRITTE GLEICHNIS
Avincena sagt im Kapitel über die Feuchtigkeit: „Wenn Wärme auf einen feuchten Körper einwirkt, ist Schwärze die erste Folge.“
Aus diesem Grund haben die alten Philosophen erklärt, sie hätten einen Nebel aufsteigen und über die ganze Erde ziehen sehen; sie sahen auch die Ungestümtheit des Meeres und die Ströme über die Erde und wie diese in der Dunkelheit faulig und stinkend wurden.
Sie sahen ferner den König der Erde versinken und hörten ihn mit eifriger Stimme rufen: „Wer mich rettet, soll mit mir leben und herrschen in Ewigkeit in meinem Glanz auf meinem königlichen Thron“, und die Nacht umhüllte alles.
Am nächsten Tag sahen sie über dem König einen scheinbaren Morgenstern, und das Licht des Tages vertrieb die Dunkelheit, das helle Sonnenlicht durchbrach die Wolken mit vielfältig farbigen Strahlen von strahlender Helligkeit, und ein süßer Duft stieg von der Erde auf, und die Sonne schien klar.
Hiermit war die Zeit vollendet, da der König der Erde befreit und erneuert wurde, wohlgekleidet, und von überaus schöner Schönheit, die Sonne und Mond mit ihrer Pracht überraschte.
Er wurde mit drei kostbaren Kronen gekrönt, eine aus Eisen, eine aus Silber und die dritte aus reinem Gold. In seiner rechten Hand sahen sie ein Zepter mit sieben Sternen, die alle goldenen Glanz verliehen, und in seiner linken Hand einen goldenen Apfel, auf dem eine weiße Taube saß, deren Flügel teils silbern, teils golden schimmerten, die Aristoteles so treffend beschrieb, als er sagte: „Die Zerstörung des einen ist die Geburt des anderen.“ Dies bedeutet in dieser meisterhaften Kunst: „Entziehe dem Ding seine zerstörerische Feuchtigkeit und erneuere es mit seinem eigenen Wesen, das zu seiner Vollkommenheit und seinem Leben wird.“

=== 101 ===

Das Dritte ist Sublimatio.
durch welche der ietzgemelten Erden feuchtigkeit Distilirt wirdt/ »Dann so das Wasser in die Erden reduciret ist:
So ergibt es sich in die Leichtigkeit des Lufftes/ vnd erhebt sich über die Erden/ alß ein Langlecht Wolcklein gleich einem Aÿ/« Das ist der Geist des Fünfften wesens/ so genennet wird die Tinctur/ Fermentum/ Anima/ oder das Öel. Vnd ist die allernechste Materj des Steines der Philosophen. Dann durch die Sublimatio entstehet der Aschen/ welcher sich aus eigener Crafft (: Jhme von Gott eingeben :) aufflöset/ in meszigung des Feuers: Vnd also bleibet die Erde Calcionirt im grunde des glaß
einer Feuerigen Natur vnd Aigenschafft. Vnd das ist die rechte Philosophiæ Sublimatio/
Durch welche die volkommene Weiß volnbracht wird. Darumb vergleicht man dise kunst der Weiber Arbeit/ das ist das Waschen/
daß weiß werde: Kochen vnd Braten/ dz gnug seÿ.

=== 105 ===

Das Vierte vnd Letzte/ das sich gebürt/ ist dises Wasser/ so von der Erden gesondert ist/ wider mit
der Erden vereiniget werde/ daß eines umbs ander geschehe/ Soll anders der Stein vollendt werden/ Wann warumb alles das
in den Natürlichen dingen zuhauff oder in ein Corpus gefüget ist/ daß ist darumb/ daß ein Einiges Compositum seÿ. Jn
den ietzgemelten Vier Articuln ist alles dz begriffen/ davon die Philosophi die gantze Welt mit vnzelich vil Büchern erfüllet haben.

=== 131 ===

BeschlusRede.
Die allerteuereste Kunst vnd Trösterin der Armen/ die Edel Alchimia über alle Natürliche Kunst/ so die Menschen Ÿe auff Erden haben
mügen/ ist zuachten eine Gabe von GOTT/ Dann Sie ist vffs allermeist in manchfältigen Sprüchen vnd figürlichen Vmbreden vnd gleichnussen der Alten Weissen verborgen/ Dann es spricht Senior der Philosophus: Es wird ein Verstendiger
Mensch dise Kunst/ so er darnach gedencket/ bald vernemen/ So sein gemüht vnd Sinn erleuchtet sein/
aus den Büchern der erkantnuß diser Kunst/ Derhalben der weißlich wil thun/ der Ersuch die Weißheit der alten Weisen/
die sie übt/ vnd gehet in behendigkeit vilerley gleichnis/ vnterscheidung vnd heimligkeit der Sprüch/
Dadurch Jhr Handlung verborgen worden/ vnd vmbreden der entratnus gegenüber dürstig ist.
Deme nachzugedencken/ ist gar ein Subtiler Sin/ vnd denen allein/ die in disen dingen verstand haben/
ist er gar leicht vnd natürlich/ Denen aber/ so der ding nicht verstand haben/ alß auch Senior spricht/
ist nichts verächtlichers/ dann diese Kunst/ Wiewol in der Natur ist nichts köstlichers/ dann der dise Kunst
hat/ ist also reich/ als einer mit Feuer/ der einen Fewerstein hat/ davon er Feuer schlegt/ vnd gibt/ wehme/
wievil/ vnd wann er wil/ ohne abgang des Steins/ Also ists zugeben überflüssigs reiches Gold/
Sie ist auch einem besser/ dann alle Kauffmanschafft Golds vnd Silbers/ vnd Jhre Früchte seind besser denn aller welt gut/
Dann warumb? Durch Sie wird volbracht/ daß da fürdert Lang Leben vnd gesundheit/ Dann Jhr Jüngste frucht
ist/ das warhafft Aurum/ vnd der allercräfftigst Balsam/ vnd die allerköstlichst gabe Gottes/ So die Alten Weisen in
der Natur mit Kunst gewircket haben.

Bilder

Die Bilder sind eine gemischte Abfolge der Stufen des Pfades zum Stein (Bilder der französischen Ausgabe).

  • 61 : Emblem 1
  • 57 : Emblem 2
  • 99: Emblem 3
  • 103 : Emblem 4
  • 69 : Emblem 5
  • 53 : Emblem 6
  • 009 : Emblem 7
  • 17 : Emblem 8
  • 43 : Emblem 9
  • 003 : Emblem 10
  • 37 : Emblem 11
  • 89 : Emblem 12
  • 73 : Emblem 13
  • 85 : Emblem 14
  • 33 : Emblem 15
  • 25 : Emblem 16
  • 47 : Emblem 17
  • 65 : Emblem 18
  • 77 : Emblem 19
  • 81 : Emblem 20

...

Literatur

  • museum-digital : Splendor Solis
  • Alchemywebsite : Splendor solis mit Bildern
  • Splendor Solis - Das Purpurbad der Seele: Zweiundzwanzig Pforten der initiatischen Alchemie (Fabrica libri), Gabriele Quinque , Pomaska-Brand, 2012, ISBN-10: 393593789X ISBN-13: 978-3935937894

Referenzen

Weblinks